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PressPI Kaspertheater als Spielprinzip ist nun immaterielles Kulturerbe

22.03.2021

Kaspertheater als Spielprinzip ist nun immaterielles Kulturerbe

Antrag des Landkreises auf Eintrag in das bundesweite Verzeichnis erfolgreich/ Mitteldeutsches Marionettentheatermuseum ist lebendiger Vernetzungsort
Die (fast vollständige) europäische Kasperfamilie, Sammlung Karin und Uwe Brockmüller im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebewerda
© Museumsverbund EE Andreas Franke 
Ab sofort ist das „Kaspertheater als Spielprinzip“ im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zu finden. Ein Antrag des Landkreises Elbe-Elster als Träger des Mitteldeutschen Marionettentheatermuseums Bad Liebenwerda, diese alte, aber überaus lebendige Spielform als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen, ist von der Expertenkommission Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission bestätigt worden. Mit der Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wird das „Kaspertheater als Spielprinzip“ künftig unter www.unesco.de/ike mit Text und Bild dargestellt; das Mitteldeutsche Marionettentheatermuseum als Antragsteller und Bewahrer des Kasperspiels darf zudem ein entsprechendes Logo führen.
Kasper aus dem Figureninventar des Theaters Ehrbar, Schweinfurt Bayern, 1930 - 1950, Sammlung Karin und Uwe Brockmüller im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebewerda
© Museumsverbund EE Andreas Franke 
„Die lustigen Figuren verkörpern eine elementare Kraft, die immer und überall anzutreffen ist, stets lustig, naiv, verwegen, schlagfertig, derb, anprangernd, wortgewaltig und auch etwas hinterlistig“, beschrieb der inzwischen verstorbene Dresdner Theaterwissenschaftler Dr. Olaf Bernstengel das Spielprinzip Kaspertheater im Antrag. „Die lustige Figur darf auf der Bühne alles tun, ohne an Zwänge gebunden zu sein – im Gegensatz zu den Zuschauern, die in einer zusehends normierten und reglementierten Welt leben.“ Bernstengel hatte maßgeblich zum Entstehen von „Kaspers Welten“ und zur Formulierung des Antrags für die Anerkennung als immaterielles Kulturerbe beigetragen. Initiiert und begleitet wurde das Vorhaben vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Unterstützung erhielt es vom Verband deutscher Puppenspieler und der Union Internationale de la Marionnette (UNIMA) sowie von renommierten Fachwissenschaftlern wie Prof. Beatrix Müller-Kampel (Karl-Franzens-Universität Graz) und Prof. Gerd Taube (Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M.).
Das Expertenkomitee schloss sich dem Antrag an. Das Kaspertheater zeuge von hoher kultureller, lebendiger und kreativer Dynamik in Auseinandersetzung mit den jeweiligen gesellschaftspolitischen Verhältnissen und spreche Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft gleichermaßen an. Die Kulturform ist bundesweit verbreitet, aber stets lokal verankert und bietet Aufführungen im professionellen Bereich, im Laienspiel sowie als pädagogische Angebote. Gut 350 der schätzungsweise 800 deutschen Puppenbühnen zeigen Kasperspiele, über 50 Puppentheater in Deutschland beschäftigen sich ausschließlich damit. Das Komitee hob besonders hervor, dass die Trägerinnen und Träger bundesweit vernetzt seien, vielfältige Erhaltungsmaßnahmen entwickeln und so die lebendige Weitergabe des Kaspertheaters sicherstellen.
Der erfolgreiche Antrag bestätigt und ergänzt die inhaltliche Neuausrichtung des Museums auf die lustige Figur im Puppenspiel, die im September 2020 mit der Eröffnung der neuen ständigen Ausstellung „Kaspers Welten“ einen vorläufigen Höhepunkt fand. Neben der musealen, aber durchaus nicht trockenen Beschäftigung mit der Herkunft und Rolle des Kaspers im Handpuppen- und Marionettenspiel, ist das Mitteldeutsche Marionettentheatermuseum ein wichtiger Ort der aktiven Pflege des Puppen- und des Kasperspiels. Mit zahlreichen Gastspielen von Puppenbühnen und als Spielort des Internationalen Puppentheaterfestivals des Landkreises Elbe-Elster gibt das Museum dem Kasperspiel eine Bühne. Es steht im Austausch mit anderen deutschen Puppenspielmuseen, ist Mitglied der Union Internationale de la Marionnette (UNIMA) und organisiert regelmäßig Symposien zu Puppenspielthemen. Ein für das erste Halbjahr 2021 vorgesehenes Treffen der deutschen Puppentheatermuseen in Bad Liebenwerda sollte diese vernetzende Arbeit weiter vorantreiben, kann nun aber wohl coronabedingt nicht stattfinden.

Eintrag ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes

Hinweis: Immaterielles Erbe ist nicht mit Welt(kultur)erbe gleichzusetzen. Bitte beachten Sie dazu das Hinweisblatt der Deutschen UNESCO-Kommission.