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PressPI Austausch über Religion(en) und kulturelle Vielfalt im ländlichen Raum

14.10.2018

Austausch über Religion(en) und kulturelle Vielfalt im ländlichen Raum

4. Integrationsforum und 5. Demokratiekonferenz in der Aula des Elsterschlossgymnasiums Elsterwerda
Caspar Schliephack (Fachstelle Islam im Land Brandenburg) sieht in der Aufklärung über Kulturen und Religionen, interkulturelle Öffnung, interreligiösen Dialog und Sensibilisierung zu bestimmten Phänomenen den Schwerpunkt seiner Arbeit.
© Pressestelle LKEE Torsten Hoffgaard 
Viele, die seit langem mit dem Thema Migration vertraut sind, wissen: Selbst die beste Integrationspolitik kann Reibungen nicht gänzlich beseitigen. Denn es ist nun einmal so: Der Mensch fremdelt mit dem Fremden. „Wenn wir uns Integration wünschen, so müssen wir keineswegs vollständige Anpassung verlangen. Menschen, die in zwei Kulturen zuhause sind, sind wichtig. Sie sind wichtig als Brückenbauer, die die Mehrheitsgesellschaft für Minderheiten sensibilisieren und umgekehrt jene Zugewanderten, die noch abseits stehen, an die Mehrheitsgesellschaft heranführen“, sagte Landrat Christian Heinrich-Jaschinski auf einer Landkreis-Veranstaltung am 11. Oktober in Elsterwerda. Dort ging es quasi um diesen Brückenbau.
Landrat Christian Heinrich-Jaschinski sieht die Zugewanderten u. a. als wichtige Brückenbauer bei der Integration im Landkreis.
© Pressestelle LKEE Torsten Hoffgaard 
„Religion(en) und kulturelle Vielfalt im ländlichen Raum“ lautete der Titel der Zusammenkunft, die im Rahmen der fünften Demokratiekonferenz zusammen mit dem vierten Integrationsforum stattfand. Ute Miething von der kreislichen Fach -und Koordinierungsstelle „Partnerschaft für Demokratie“ im Bundesprogramm „Demokratie leben“ und der Integrationsbeauftragte des Landkreises, Jürgen Brückner, hatten dazu in die Aula des Elsterschlossgymnasiums Elsterwerda eingeladen. Sie begrüßten dort rund 70 Akteure und Migranten von Flüchtlingsinitiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Vertreter aus Kommunen, Vereinen, Verbänden, Organisationen und Institutionen, um sich mit dieser für unsere Gesellschaft wichtigen Thematik auseinanderzusetzen.
Johanna Zmeck (Klavier) und Nassib Ahmadieh (Violoncello) erfreuten mit Werken von Claude Debussy und Robert Schumann das Publikum.
© Pressestelle LKEE Torsten Hoffgaard 

Ziel der Partnerschaft für Demokratie in Elbe-Elster in Anlehnung an das Bundesprogramm „Demokratie leben“ ist es, einen Beitrag zur Gestaltung der gesellschaftlichen Vielfalt zu leisten. Konkret soll das demokratische Engagement vor Ort gestärkt und allen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegengetreten werden. Die Demokratiekonferenzen sollen einen Beitrag dazu leisten wie auch die Integrationsforen. Die Veranstaltungen in den Vorjahren haben mit ihren Beiträgen zum Beispiel maßgeblich zum im Kreistag verabschiedeten Integrationskonzept des Landkreises beigetragen.

Moderator Axel Bremermann von den Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie, Brandenburg (RAA Brandenburg) in Cottbus führte durch die Diskussion.
© Pressestelle LKEE Torsten Hoffgaard 

Daran knüpfte die Zusammenkunft in Elsterwerda an. U.a. berichtete Caspar Schliephack, Bildungsreferent von der „Fachstelle Islam im Land Brandenburg“ (RAA Brandenburg), über die dort gemachten Beobachtungen und Erfahrungen im Land Brandenburg. „Zusammenleben setzt ein gewisses Vertrauen voraus, dessen Grundlage meist ein gewisser Wissensstand ist. Aufklärung über Kulturen und Religionen, interkulturelle Öffnung, interreligiöser Dialog und Sensibilisierung zu bestimmten Phänomenen sind daher Kernbestandteil der Arbeit der Fachstelle Islam im Land Brandenburg“, sagte er. Stigmatisierungen von bestimmten Personengruppen seien immer wieder zu beobachten, führten aber nicht weiter. Dadurch entstehende Diskriminierungserfahrungen würden Isolations- und sogar Radikalisierungsprozesse auslösen und so auch den religiösen Dialog erschweren, ist seine Erfahrung. Grundsätzlich besteht von beiden Seiten aber der Wille zum Austausch. Dabei ist zu betonen, dass sich die Bedarfe von Ort zu Ort voneinander unterscheiden: „Mal steht die Frage nach muttersprachlichem Unterricht, nach einem Gebetsraum, nach einem eigenen Kulturverein, nach Möglichkeiten zur Mitgliedschaft im Sportverein, mal nach persönlichem und dauerhaftem Kontakt zu den Nachbarn, nach besseren Bildungschancen und Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder oder mal steht Sprachförderung ganz oben auf der Agenda“, berichtete Caspar Schliephack.

Moderator Axel Bremermann von den Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie, Brandenburg (RAA Brandenburg) in Cottbus führte anschließend sensibel durch die Diskussion, wo Erwartungen der Aufnahmegesellschaft und der Migranten im Landkreis Elbe-Elster zur Sprache kamen.

Dabei stellten sich einzelne Initiativen näher vor, um so gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft Chancen und Möglichkeiten weiterer Integrationsarbeit zu erörtern und einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Dabei wurde zum Beispiel deutlich: Ja, Einwanderung erweitert unseren Blick. Sie bringt aber auch Probleme mit sich. Einwanderung ist immer beides: Bereicherung und auch Belastung, Gewinn und auch Verlust. Vor allem aber ist sie ein langer Prozess, der sich über viele Jahre und bei genauer Betrachtung sogar über Generationen hinzieht.

Die Ergebnisse werden nach Auskunft von Jürgen Brückner und Ute Miething gründlich ausgewertet und fließen dann in die Integrationsarbeit im Landkreis ein. Das 4. Integrationsforum und die 5. Demokratiekonferenz wurden von musikalischen Beiträgen von Nassib Ahmadieh (Violoncello) und Johanna Zmeck (Klavier) – beide u.a. Pädagogen an der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ - umrahmt, die mit Werken von Claude Debussy und Robert Schumann das Publikum erfreuten.

Darüber hinaus bekam „Der Grieche“ vom Südblick aus Elsterwerda für sein interkulturelles Büfett viel Lob von den Teilnehmern im Elsterschlossgymnasium zu hören.